designenlassen.de
„Designen oder designen lassen, das ist hier die Frage.“ So lautet das Motto, der jüngst gelaunchten Designer-Seite, die damit wirbt, Desings für Logos, Visitenkarten, Flyern, T-Shirts oder sogar ganzen Broschüren von talentierten Designern erstellen zu lassen. Und zwar durch einfache Design-Wettbewerbe, wie man sie von größeren Unternehmen kennt, die sich das Geld für „teure“ Werbeagenturen sparen wollen. (Siehe XING, Becks usw.) Und so einfach geht’s;
Kleinunternehmer Horst Müller mit einem Gespür für Ästhetik wie ein Maulwurf, möchte für seine kleine Gartenbaufirma eine komplette und vor allem billige Geschäftsausstattung. Er besucht also die Seite designenlassen.de und schreibt einen Wettbewerb, über das vorhandene Formular aus. Dabei richtet er sich, für das Preisgeld nach den, von der Seite gegebenen Richtpreisen (min. 100 €, max. 10.000 €). Für ein Webseiten Design werden beispielsweise 450 € empfohlen, also veranschlagt Herr Müller 100 € für seinen neuen Webauftritt. Und schon kann es losgehen. Die auf der Seite registrierten „talentierten Designer“ können nun nach Lust und Laune eine Web-Site gestalten und die Ergebnisse anschließend auf die Seite laden. Der Auftraggeber Müller hat nun die Möglichkeit die Entwürfe zu bewerten oder Feedback zu geben wenn er das möchte oder sich einfach schon mal äußerst kostengünstig Inspirationen oder Ideen zu besorgen, wie das auch oft bei professionellen „Pitch-Ausschreibungen“ passiert, um hinterher womöglich doch alles selbst um zu setzen. Sollte irgendein wirklich talentierter Design Student, der die Kohle dringend nötig hat, sich deshalb dazu motivieren auch ein Layout zu erstellen, welches mit Sicherheit einige Stunden Arbeit erfordert und Herr Müller entgegen aller Erwartungen dieses zum Gewinner ernennt, hat Horst Müller einen schönen Reihbach gemacht und der Student hat sich um ein vielfaches unter seinem Wert verkauft. Selber Schuld möchte man meinen. Schlimmer wird’s aber erst, wenn, wie in diesem Falle Herr Müller keine Ahnung von Stil, benutzerfreundlichem Design (Usability), Proportionen, gestalterischen Grundsätzen usw. hat, sondern einfach aus dem Bauch heraus entscheidet. Genau wie bei der Einrichtung seiner Wohnung. (Buche-hell Wohnwand mit beleuchteter Glasvitrine, Fernsehtisch mit Steinfliesen, Sofa mit lustigem Blumenmuster) Dann nämlich sucht sich der Kleinunternehmer ein mittelgutes bis schlechtes Design aus und verfährt so vermutlich auch bei Visitenkarte und Co. Das Ergebnis ist eine weitere unansehnliche, gestalterische Schandtat in der weiten Welt mit der man sich als Otto-Normalverbraucher unter Umständen herumschlagen muss.
Gerade weil die Zielgruppe kleine Unternehmen, bis hin zu Einzelpersonen sind, die mit Sicherheit keine Marketing Abteilung haben, die sich mit Ihrem Handwerk auskennen, besteht die akute Gefahr von haufenweise dilettantisch ausgeführten Endprodukten, welche die Wettbewerbe gewinnen. Ein wichtiger Punkt ist auch, dass sich richtig gute Designer, vermutlich mit solch kleinen Preisgeldern überhaupt nicht abgeben werden, weil die Gefahr besteht, dass eben aus genannten Gründen, die guten Umsetzungen nicht einmal beachtet werden und somit die eingesetzte Zeit für die Katz war.
Letzten Endes aber, werden sich daran nur diejenigen stören, die dieses Handwerk professionell ausüben und durch solche Wettbewerbe und Dumpingpreise um Ihren Job gebracht werden. Denn für alle Anderen ist diese Sache ein reiner Gewinn auch wenn die Qualität bisweilen auf der Strecke bleibt. Siehe auch MyHammer.de mit änlichem Konzept. Warum sollte ich auch als Brauerei Beck & Co eine professionelle aber vor allem teure Agentur mit der Neugestaltung meiner Etiketten beauftragen, wenn ich auch einen Wettbewerb dafür ausschreiben und den armen Studenten als Preisgeld dafür Kistenweise Bier hinstellen kann…
Ganz einfache Rechnung. Und jetzt hätte ich gerne eine Website mit 3 Unterseiten, 3 Bildern, einem Kontaktformular und einem Intro… Das Intro ist besonders wichtig. Am besten animiert, wenn’s geht. Das Komplettpaket gibt’s dann für 300 € bei ihrem örtlichen Design-Diskont.
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Schön, dass das Ganze auch noch ziemlich dreist von http://99designs.com/ kopiert ist